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[MENSCHENMASSEN] Mensch MARIANNE, DU HIER?!

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Ungeachtet dessen, ob es sich um ein herkömmliches Volksfest oder um einen hochspezialisierten und alternativen TÖPFERBASAR handelt, ein grausamer Fakt bleibt immer bestehen, in allen Ländereien und zu allen Zeiten: MENSCHENMASSEN NERVEN. Insbesondere durch die gespaltene Persönlichkeit ihrer einzelnen Glieder. Personen, die es sonst SO DERMASSEN EILIG haben dass ihnen eigentlich ein Strahlentriebwerk aus dem Steißbein wachsen müsste, werden urplötzlich so TRÄGE wie eine POLYNESISCHE SCHILDKRÖTE, deren einziges Ziel darin besteht, durch ruhigen Puls das 1000. Lebensjahr zu erreichen. Irgendein Mechanismus im Stammhirn rotiert plötzlich wie ein tollwütiger Osterhase und sorgt dafür, dass man damit beginnt zu „schlendern“. Da es auch NORMALE MENSCHEN gibt, die EINFACH SO mal „schlendern“, verwenden wir hier nun einfach einen NEUEN Begriff, der diese Urgewalt an Stumpfsinn besser umschreibt und sie professioneller von normaler „Gemütlichkeit“ abgrenzt: HYPERSCHLENDERN.
 

Komm, geh Sardinen jagen du Wasserheiliger! Konkrete Fallbeispiele führen vielleicht etwas mehr Licht ins Dunkel. Besonders dann, wenn die Wahrscheinlichkeit deutlich jenseits der 99% liegt, dass man so etwas schon SELBST erlebt hat.

BEISPIEL A: PLATZINTENSIVE STÖRENFRIEDE

Wenn man auf die törichte Idee kommt, sich auf einem STADT-, VOLKS- oder SONSTWAS-Fest etwas zu ESSEN besorgen zu wollen, erfreut man sich (naiv, wie man ist) zunächst am breiten Spektrum der feilgebotenen Speisen. DUMM NUR, dass man dafür im Normalfall mindestens 10 – 15 Minuten in der Schlange stehen muss. Und als ob das nicht reichen würde, trifft man mit einem gerüttelten Maß an Pech auch auf die PLATZINTENSIVEN STÖRENFRIEDE. Dabei kann es sich um Personengruppen aller Altersklasse handeln, wichtig ist nur, was sie TUN. Sie stehen DERART NAHE an der Schlange der Flammkuchenbude, dass man davon ausgeht, sie würden EBENFALLS etwas zu essen haben wollen. NEIN. Das trübsinnige Gesindel steht einfach NUR UNTERWÄLTIGEND ÜBERFLÜSSIG in der Gegend rum und ist „gesellig“. Soll heißen: SIE warten 30 Minuten in der Schlange, während alle anderen schon bedient werden. Manchmal kommen dann auch nach einiger Zeit Mut-machende Worte wie „Oh SORRY, ich MERKTE ECHT GGGAAAANICH, dass Sie ANSTEHEN.“ In 90% der Fälle wird aber einfach strunzstupide aus der Wäsche gegafft. Aber hey, DAS HALTEN SIE AUS! Sie sind schließlich hier, um GESELLIG zu sein! Was uns leider schon zu Fallbeispiel B führt, dem

BEISPIEL B: DER PROFIBLOCKER

Jede Festivität und jeder Rummel ab mittlerer Größe kennt dieses Phänomen. Oft, aber nicht immer, fällt ein einleitender Satz, der einem sogleich zu verstehen gibt, dass man AB JETZT mindestens 15 Minuten in einer Menschenmasse stehen muss, weil es EINER EINZIGEN PERSON komplett egal ist, ob sie den Weg versperrt. In einem Engpass zwischen zwei Schaustellerbuden erschallt der Ruf, der einem das KNOCHENMARK ZU FROST VERWANDELT. „MENSCH MARIANNE, DU HIER?!“ Wenn die zwei Damen (oft oberhalb von 200 Pfund) dann die Öse für die Menschenmasse HOCHPROFESSIONELL verstopft haben, geht das Geschnatter los. Die Menge MUSS sich also, bevor sie weitergehen kann, DEFINITIV anhören, dass ENKEL RÜDIGER jetzt IRGENDEINEN SCHEISS in IRGENDEINER STADT studiert, dass sich TANTE HERTHA nun DOCH für die Scheidung entschlossen hat und dass MARIANNES MANN ja SO OFT nach dem Gottesdienst ZUM SAUFEN AN DEN SEE fährt. Ob Sie das interessiert ist den Teufelshexen in dem Moment auch total wurscht. Fakt bleibt: Sie müssen warten, der Gossip wird ausgetauscht. So einfach ist das. Viel Spaß – ich hoffe, Sie haben Zeit mitgebracht!

BEISPIEL C: KOMMUNIKATIONSLÜCKEN

Neben Klaustrophobie und Schweißgeruch geht es auf öffentlichen Spaßveranstaltungen selbstverständlich auch um Ernährung. Gehen wir davon aus, Sie haben es durch die SCHLANGE GESCHAFFT, und dürfen bestellen. Jetzt werden Sie mit einem in SECHSFACHER SCHALLGESCHWINIDIGKEIT arbeitenden Typ in einer weißen Kutte konfrontiert, dessen mangelhafter Augenkontakt Ihnen sofort signalisieren müsste, dass er Ihnen in etwa so aufmerksam zuhört wie SIE bei dem regen Austausch der Tratsch-Tanten im vorherigen Engpass. Sie finden glasklare Worte: „Ich kriege bitte einmal die HEISSE ROTE und ein KLEINES RADLER.“ Weiterhin geistig völlig abwesend knöpft der Halsabschneider Ihnen einen unverschämt hohen Betrag ab und händigt Ihnen „DAS ZETTELCHEN“ aus. Das Zettelchen ist deswegen BRANDGEFÄHRLICH, da es sehr unzureichende Informationen beinhaltet. Oft wird hier getrennt zwischen GETRÄNKEN und SPEISE, was im meist in folgenden Beschriftungen endet: „Fanta/Cola/Spezi“ und „Steak“. Also REIN GAR NICHTS von dem, was sie bestellt haben. Da die trüben Tassen hinter dem Tresen auch garantiert NICHT miteinander im Dialog stehen, werden Sie entweder GENAU DAS am Abholschalter entgegennehmen müssen, was auf dem ZETTELCHEN steht, oder etwas VÖLLIG anderes, das sich aus der Tagesform und der Willkür des Standbetreibers zusammensetzt. So wird aus „Heisse Rote mit kleinem Radler“ ganz schnell „Weiße Bratwurst mit Rotwein“. Bei mangelnder Fantasie bleibt es aber bei „Fanta mit Steak“. Toll. Da kann man AUCH GLEICH SELBST KOCHEN verdammt.


IN DER TAT. Aber damit sind wir noch nicht fertig. ABGERUNDET wird der Aufenthalt beim FEST erst durch die Klassiker, die KEINESFALLS auf einer innerstädtischen Veranstaltung fehlen dürfen:
AUSRUTSCHEN AUF EIS. KOTZENDE KINDER. „VERSEHENTLICH“ MIT BIER BESPRÜHT WERDEN.

Erst DANN herrscht GEMÜTLICHKEIT, Ihr Realitätsverdreher! Wenn das Generalniveau der Veranstaltung etwa die Konsistenz des Bratfetts auf den Grillplatten der Stände erreicht, DANN ist das das finale Signal, jetzt die FLUCHT zu ergreifen. Aber man wäre ja kein GESELLIGER PLATZHIRSCH, wenn man jetzt den Schwanz einzieht, und davonläuft. Nein, man muss den EINBRUCH DER NACHT abwarten. Den BREAK EVEN POINT der anwesenden, gesellschaftlichen Zusammensetzung. Denn dann bricht langsam eine weitere Gruppe durch, die uns sogleich DAZU führt:

BEISPIEL D: DER ZORNLOVER

Auf zumeist eher ländlich gehaltenen Festivitäten steigt mit der vorangeschrittenen Uhrzeit und der Konzentration an angetrunkenem Fußvolk auch die CHANCE, dass sich folgende FURCHTERREGENDE Kombination herauskristallisiert: MANN UND FRAU laufen glücklich durch die Menschenmenge, als IHR Ex-Freund auf den Plan tritt und MAL RICHTIG SEINEN MANN STEHEN MUSS. Oh Gott verdammt, muss das jetzt wirklich sein? JA. Vom Geschubse über eine halbherzig motivierte Schlägerei kippt die Gesamtlaune der Veranstaltung in eine Richtung, die man vor wenigen Minuten noch nicht wahrhaben wollte.

DIE ARENA IST ERÖFFNET. An den darauffolgenden circa 85 Schlägereien, tränenreichen Beziehungsdramen sowie Polizeieinsätzen ist hinterher natürlich NIEMAND schuld, denn wie so oft waren es ja „DIE ANDEREN“, die sich danebenbenommen haben. Darum ist es ja eine Art stillschweigende Übereinkunft zwischen den Party-People und den Familienvätern mit Zuckerwatte. Sie arbeiten in SCHICHTEN. Spaß für Jung und Alt mittags, Chaos und Zerstörung abends. Hauptsache, man ist sich einig, nicht wahr?

Die einzigen Beteiligten, die sich an den Hinterlassenschaften beider Schichten zu bereichern wissen, sind diejenigen, die WIE SO OFT genau DAS produzieren, um was es hier so oft geht. Und wie könnte es sich dabei um etwas anderes handeln, als um

!!! TAUBENKOT !!! (Und da kriegt man auch, was man bestellt hat) 



P.S.: Wie Sie hier unschwer erkennen können, ist dieser Täuber dazu in der Lage, EHEGATTENSPLITTING und KINDERBETREUUNG gleichermaßen verantwortlich mit seiner EHEFRAU zu teilen. Währenddessen wartet er darauf, dass Sie auf Ihrem blöden Fest etwas fallen lassen, was er kurz darauf als Eigenkapital auf meinen Balkon schleppt. Wer ist jetzt der wahrlich kluge Eigenheimprofi?

Kommentare:

  1. Diese Nestbaukünste ... wirklich beeindruckend! :D

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    1. Ein Fachmann/Sachverständiger würde dieses Nest wohl als "unzureichend" bewerten. Irgendwo haben wir aber mal gelesen, dass es bei Tauben der Normalfall sei, ein "eher lieblos zusammengelegtes Häufchen an Stöcken" als Nest zu sehen =D SCHON ein bisschen faul. Aber Immobilien werden auch oft überbewertet.

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