Professionell amateurhafte Gesellschaftskritik seit 2014

HOME - ABOUT - ARCHIV - IMPRESSUM

[DER WETTBEWERB] Können Sie sich das denn leisten?

//

Ach herrje, sind wir schon wieder am tiefsten Tiefpunkt angelangt, wo es nur drei relevante Lebewesen gibt: Grottenolme, ergraute Eremiten mit Silberbart und Misanthropie sowie panische Mutanten, die dem giftigen Griff des Zeitgeistes anheimgefallen sind. Schlimm, nicht wahr?

Sagst du das auch dann noch, wenn die Japaner dich finden? Ich werde sie nicht aufhalten, die sind nämlich deutlich vermögender als ich, mein glatter Esoterikfreund. Nein, es ist wirklich kräftezehrend, das zu beobachten, was mittlerweile als allumfassende Wahrheit akzeptiert wird, weil es Wirtschaft, Mode und Zeitgeist diktieren:

Und zwar immer. Um jeden Preis. Bitte über Leichen. Und sowieso: IMMER der BESTE sein, sonst hat man „im Leben nichts erreicht“. Die althergebrachte Philosophie der ergebnisorientierten Leistungsgesellschaft besagt ja, dass das Hochgeschwindigkeitsfahrzeug „Bürger“ auch ohne Benzin fahren muss, wenn es die Straße verlangt. Im Klartext heißt das, dass auch der olle Praktikant gefälligst für null komm nullundnullig Eurocent doch bitte die gleiche Leistung erbringen soll, wie ein Schwerstarbeiter. Nur eben ohne Geld. Und ohne Kilokalorien, denn WER NICHT LEISTET, DER SOLL AUCH NICHT ESSEN, oder?

Es spielt mittlerweile keine Rolle mehr, „was man werden will“. Das ist ein veraltetes Konzept von trübsinnigen alternativen Kiffern, die ständig nur gesellschaftsverneinende Prosa und irre Ideen vorbringen wie „Einklang mit der Natur“, „Entschleunigung“ oder „Geld und Ansehen ist nicht alles.“ Selbstverständlich sind das TOTAL VERRÜCKTE, die doch den SCHUSS nicht gehört haben. Denn sowas wie „BURNOUT“, Depressionen oder der kaltblütige Mord an Kollegen, Kommilitonen und Mitschülern sind doch alles nur trotzige Ergebnisse einer zu bequemen Persönlichkeit.

Um die lahmarschige Gesellschaft also mal AUF ZACK zu bringen, sollte man dort anfangen, wo die faulen Säcke schon mit dem Zu-Langsam-Sein anfangen – IN DER SCHULE. Folgende Notenreform wäre hierfür mehr als angemessen und obendrein marktorientiert:

Fällt Ihnen auf, dass es die EINS und die ZWEI nicht mehr gibt? Das ist einfach zu erklären: Die gibt es in Industrie und Dienstleistungssektoren auch nicht. Man KANN maximal „geht so“ sein. Vor allem, wenn man für seine Arbeit auch noch GELD haben möchte.

Die Ellenbogenhaltung der Schule, der Jobs und des generellen Zustandes der Gegenwart schwappt leider auch in andere Kategorien über. So kann man beispielsweise nur noch PC- oder Konsolenspiele spielen, die OFFLINE spielbar sind. Denn sobald man es WAGT,  sich zu „echten Profis“ ins Netz zu gesellen, hagelt es „Kritik“. „EY NOOB, LOWBOB, LEARN 2 PLAY.“ Ja, das Spiel ist keine Freizeitbeschäftigung mehr, es ist ebenso Wettbewerb und Leistungssport geworden wie alles andere auch.


Wer hat den schönsten Körper, das schnellste Auto, den heißesten Partner, den allerbesten Job, die besten Möglichkeiten, das snobbigste Projekt im Prenzlauer Berg? Wer hat sein eigenes Start-Up, wer macht Karriere, wer hat sich Soft Skills angeeignet, wer kennt alles und jeden?

Das ist die Frage der Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Denn in all ihrer Beschränktheit erkennt die brav agierende Drohne nicht, dass es keinen Sieger geben soll. Und ihn nicht geben DARF. Denn wer am ZIEL ist, der konsumiert vielleicht weniger. Der ewige Wettbewerb dient einer Handvoll gerissener Penner, die sich am ewigen Leistenvergleich des bürgerlichen Recken dumm und dümmer verdienen, weil sich diese gegenseitig mit Netz, Dreizack und Franziska (nicht die Franziska, die DU kennst. Eine Waffe der Franken) so sehr aufs Maul hauen, dass sie nicht merken, dass es nur darum geht, an ihr Geld zu kommen.

Sich von diesem Mist frei zu machen, das „im Leben etwas erreichen“ selbst bestimmen, sich nicht davon abhängig machen, wie die anderen im Ameisenbau agieren, kann eine Befreiung sein, die man vielleicht für Fantasie gehalten hat, bevor man es selbst ausprobiert. Also wäre es vielleicht einen Versuch Wert, auf die ständige gegenseitige Bewertung und dem Nacheifern von bescheuertem Leistungswettbewerb zu verzichten. Man kann auch überleben, OHNE 

Zu sein. Es kann so viel erfüllender zu sein, keine 7.500 € mit nach Hause zu nehmen, und stattdessen mehr Augenmerk auf DAS zu legen, was man mag. Dann braucht man plötzlich keine 7.500 € mehr. Und das ist ein Versprechen. Lediglich so leistungsorientiert wie

!!! TAUBENKOT !!! (aus 100% fairem Anbau ohne Praktikanten)

Kommentare:

  1. Da bleibt mir eigentlich kaum noch etwas zum Hinzufügen. So locker und lässig kann man den vermeintlichen "Wettbewerb" auf den Punkt bringen. "Resistance is futile", es sei denn wir petitieren gegen die Schulpflicht sowie auch gegen die Erziehung von Fremdlingen im Allgemeinen.

    AntwortenLöschen
  2. Mein sehr verehrter Herr Glas,

    und genau da liegt der Hammel begraben. "Resistance is futile" fasst es sogar in meinen Augen NOCH kürzer und NOCH prägnanter zusammen. Klar kommen jetzt wieder die Hansel aus der Industrie und unsere geschätzten Freunde der Betriebswirtschaft angedackelt, und werden sogleich erklären wie "unerlässlich elementar" der Umgang und der Wettbewerb mit den knappen Gütern doch ist. Es sei ihnen verziehen - jeder ist mal dauerbetrunken. Thx a lot!

    AntwortenLöschen
  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  4. Psst: Du bist mit deinem Post bei mir soeben zum “Top-5-Poster”-Award nominiert worden. Ich tue das ungern, aber er (der Post) war es wert.
    http://www.blog.adelhaid.de/2014/08/kc-r-63-in-31.html

    AntwortenLöschen